Die Kilbi: Fest der Gaumenfreuden
Die Kilbi - ein besonderes Datum im Freiburger Festkalender - ist eine gelungene Symbiose von Fest und Gaumenfreuden. Dabei wird dem Publikum eine grosse Palette regionaler Produkte zugänglich gemacht.
Etymologisch gesehen bedeutet die Bénichon "bénédiction", auf Deutsch Segnung. Sie wurde ab dem 15. Jahrhundert am Tag der Kirchenweihung, der "bénission" gefeiert. Im Namen der Schutzpatrone gab es kaum mehr einen Sonntag, an dem nicht eine Bénichon gefeiert wurde … Dies war vor dem bezahlten Urlaub, da dauerten die Feste länger: Tanz war vom Sonntag bis Dienstag erlaubt, und es wurde an drei Tagen geschlemmt. Auf den Tanzbühnen verschaffte man sich den Ausgleich zur harten Arbeit. Es gab aber auch die Jungen in den Kutschen und grosse Schaukeln mit zehn oder zwanzig Plätzen, wo man die Tänzerinnen noch enger an sich drücken konnte … Die Kilbi als Vorspiel zur Trauung: Die Erde bereitete sich auf die Ruhephase vor, man dachte daran, neue Gärten anzusäen.
Um dem Überfluss an Festen und dem damit verbundenen Ausarten zu begegnen, erliessen die politischen Behörden im Jahre 1747 eine öffentliche Verordnung, wonach das Weihungsfest von der Kilbi getrennt wurde. Im 19. Jahrhundert wurde die Gesetzgebung durch die Aufteilung der Kilbi auf zwei Hauptdaten, nämlich den zweiten September-Sonntag für den unteren Kantonsteil und den zweiten Oktober-Sonntag für die obere Voralpenzone ergänzt. Die in der abgeschwächten Form übernommene Nach-Kilbi wird im Tal am vierten September-Sonntag und in den voralpinen Dörfern am dritten Oktober-Sonntag gefeiert. Betrachtet man die Agrarwirtschaft, so wird der Unterschied von einem Monat zwischen dem Tal- und Berggebiet schnell klar. Die Daten entsprechen zwei Hauptereignissen im Herbst: Im Tal dem Ernteschluss und im Berggebiet dem Verbrauch des Emds und dem Alpabzug. Der Brauch kannte aber dennoch zahlreiche Ausnahmen.
Das Kilbi-Menü
Cuchaule-Senf-Butter
Bouillon-bouilli
Lammragout mit Trauben
Kartoffelstock + Poires à Botzi
Trésors de la borne
Beinschinken-Wurst-Kohl-Bohnen
Desserts: Käseplatte
Doppelrahm + Meringues
Früchtekorb
Beignets + Bretzeli + Anisbrötli
Croquets + Cuquettes
Mit der Zeit haben sich an der Kilbi Konsistenz und Abfolge der typischen Gerichte gewandelt. Sie variieren auch nach Regionen. Heute fehlt oft die Zeit für die schönen Dinge des Lebens und auch unseren Mägen fehlt oft die Kapazität für einen vollständigen Kilbi-Menüdurchgang. Also überspringen wir manchmal diesen oder jenen Gang.
Die Kilbi bleibt eine Facette der Lebenskunst einer Zivilisation. Heute geht es aber nicht mehr bloss um eine Gaumenfreude. Es geht darum, sich am Tisch zu versammeln, sich zu treffen, seine Identität und die der anderen beim geselligen Zusammensein kennenzulernen. Braucht es denn nicht gerade diesen Austausch, um innerhalb der Gemeinschaft weiser zu werden ?